Die Schützengilde und der Nationalsozialismus
Auf dem Schützenfest am 21. Mai 1933 wurde dem ersten Varler Schützkönig im Dritten Reich, Heinrich Griepenstroh, Varl 5, vom Ortsgruppenleiter Köchling aus Rahden eine Hitlerplakette überreicht. Beim Abholen des Königs marschierte die SA voran. Da sich einige Schützenbrüder über „diese beiden Neuerungen aufgehalten hatten“ (Originaltext Chronik), schickte Herr Köchling einen Mahnbrief an die Schützengilde, der auf der nächsten Generalversammlung verlesen werden musste.
Auf dem Schützenfest
im Jahr 1934 fand die Weihe der ersten Vereinsfahne statt. Dazu hatten
sich am Sonntag, dem 27. Mai insgesamt 17 Vereine eingefunden.
Dies waren Varlheide, Sielhorst,
Kleinendorf, Tonnenheide, Espelkamp, Rahden, Pr. Ströhen, Oppendorf,
Wehdem, Oppenwehe, Tielge, Vehlage, Hollwede, Wagenfeld-Bokel, Wagenfeld-Förlingen,
Wagenfeld-Hasslingen und Wagenfeld-Neustadt.
8 Ehrendamen trugen die
verhüllte Fahne. Die Weihe fand auf der Wiese von Bremer, Varl 2,
statt. Frieda Steinkamp, Varl 3, sprach den Prolog, Lehrer Vahle vollzog
den Weiheakt. Unter präsentiertem Gewehr wurde die Fahne enthüllt.
3 Böllerschüsse verkündeten, dass nunmehr die Schützengilde
Varl ihre Fahne hat. Erster Fahnenträger wurde August Döpke,
Varl 139. Die Fahne ist heute noch erhalten.
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Wortlaut in der Zeitungsanzeige
zur Ankündigung des Schützenfestes:
„Der Vereinswirt hat es
sich zur Aufgabe gemacht, in Speisen und Getränken jeden zufrieden
zustellen.“
Das Schützenfest 1937
fand erstmals beim Gastwirt Hanau statt, da dieser bisher dem Verein nicht
beigetreten war. Die Festvergabe erfolgte jetzt abwechselnd zwischen F.A.
Wagenfeld und Hanau, wobei die Jubiläumsfeiern weiter beim Vereinswirt
stattfanden.
In diesem Jahr stiftete
der Schützenkönig des Jahres 1937/38, Wilhelm Sander, Varl 34,
ein Buch für die Vereinschronik. Schriftführer Karl Griepenstroh,
Varl 215, wurde vom Major beauftragt, alle Feste und deren Verlauf von
der Gründung an niederzuschreiben.
Das letzte Schützenfest vor dem Krieg fand an den beiden Pfingsttagen, am 28. und 29. Mai 1939 beim Vereinswirt statt. Gastvereine waren Sielhorst, Kleinendorf und Varlheide.
Mit dem neuen Schützenkönig und Major der Alten Garde August Röhe aus Rahden wohnte erstmals ein Varler König im „Ausland“.
Mit Datum vom 06.07.1940 erfolgte eine Satzungsänderung auf Veranlassung der NSRL (Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen). Neben der Änderung einiger Ausdrücke (Einführung „Führerprinzip“) wurde die Satzung wie folgt ergänzt:
§ 4.6: Mitglieder können nicht Personen sein, die nicht deutschen oder artverwandten Blutes oder solchen gleichgestellt sind.
Von 1940-1949 wurden keine
neuen Majestäten ermittelt. Bis 1944 fanden noch einmal jährlich
Generalversammlungen statt. Weitere Vereinstätigkeiten gab es in den
Jahren 1940-1947 nicht.